Das Thema „Arbeitsplatz der Zukunft“ dreht sich um IT und Technik. Wie wird sich unser Berufsleben durch immer neue Geräte und Anwendungssoftware in den nächsten Jahren verändern?

Bevor in die Zukunft geschaut wird soll zunächst ein Blick in die Vergangenheit geworfen werden. Welche IT und Technik gab es denn früher? Ich habe im Jahr 1986 meinen ersten Computer bekommen, einen Schneider CPC 464. Damit war ich vermutlich einer von maximal dreien in unserem Dorf, der einen solchen besaß. Zunächst mit einer Datenkassette und aufgerüstet mit einem Vortex-5-1/4-Zoll-Laufwerk. Später kam dann noch ein Drucker dazu: ein Nadeldrucker Star Lc10.

Heute hat jeder ein Smartphone

Heutzutage macht man mit dem Smartphone per WhatsApp einen Videoanruf, um sich gleich ein Live-Bild vom Geschehen zu machen. Und jeder hat heute ein solches in der Tasche. Es ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Doch wie wird es in fünf, zehn oder 20 Jahren sein? Was werden wir wohl in zehn Jahren in der Tasche haben? Sicherlich werden wir uns dann fragen: Wie konnten wir damals, 2018, ohne dieses was auch immer eigentlich überleben?

Ein Handy oder Smartphone ist zwar kein Arbeitsplatz, aber doch ein Synonym für die rasante Entwicklung von Technik, Datenverarbeitung und Miniaturisierung.

Ich, Alexander Stecher, bin Geschäftsführer der openthinclient gmbh, bei der sich das Geschäft um Thin Clients dreht. Bevor es die Firma oder das Produkt gab, verkauften wir Thin Clients der IBM – sogenannte Netstations. Die „Kästen“ waren zwar viel größer als ein heutiger Thin Client, aber das Prinzip war dasselbe: Verlagerung der Rechenleistung bzw. der eigentlich Session vom Arbeitsplatz ins Rechenzentrum. Früher war ein Bildschirm mit 1.024 × 768 Pixel schon etwas Besonderes, heute hat man manchmal zwei oder drei Bildschirme angeschlossen mit 1.920 × 1.200 oder 4 K. Was hat sich sonst an einem solchen Bildschirmarbeitsplatz in den vergangenen zwei Jahrzehnten geändert, und wohin wird die Reise in den nächsten Jahren gehen?

Wir müssen heutzutage Probleme lösen, die wir früher gar nicht hatten. Sicherheit ist in der jüngeren Vergangenheit ein großes Thema und auch ein wichtiger Wirtschaftszweig im IT-Sektor geworden. Oder erinnern Sie sich, dass es unter Windows 95 jemals einen Virus oder Trojaner gab?

Alltäglicher Datendiebstahl

Peter Fickinger ist IT-Verantwortlicher unseres Kunden Schwarze & Consort. GmbH, Hamburg, ein Logistikunternehmen für die Lagerung, den Umschlag und den Versand von Rohkaffee. Als ich mit ihm über dieses Thema sprach, meinte er ganz trocken: „IT ist heutzutage kaputt. Man hat heute überall Angriffsflächen.“ Recht hat er. Denn in der Tat kann man per USB-Port einen Rechner übernehmen. Jeden Tag liest man von Datendiebstahl. Und die Frage lautet: Wo soll das noch hinführen? Ist die Befragung von Marc Zuckerberg vor Gericht erst die Spitze des Eisbergs? Wurden die Wahlen, sei es von Trump oder Putin, durch Manipulation der IT-Systeme beeinflusst?

Ich bin der Meinung, dass die Entwicklung von neuer Software das Thema „Sicherheit“ viel stärker im Fokus haben sollte. Doch vermutlich ist mit einem neuen Look and Feel schneller und leichter Geld zu verdienen, wenn wir an die rasante Entwicklung von Windows 95, NT, 2000, XP, Windows 7 und Windows 10 denken. Und mittlerweile gibt es sogar schon wöchentliche Security Patches – Ironie off. Spätestens dann, wenn die IT auch Menschenleben gefährden kann, muss man sich die Frage stellen, ob es wichtiger ist, bunte animierte Icons zu haben oder lieber eine konservative Software, die dafür stabil und sicher läuft. Man denke nur an selbstfahrende Autos. Ein anderes Beispiel ist das Internet. Klar, eine Verbindung zur Welt von jedem Ort aus ist eine erstrebenswerte Sache. Aber braucht man ständig neue Browser und Webseiten, Flash Plugins, um dem Anwender eine tolle „User Experience“ zu bieten? Der Netto-Informationsgehalt steigt dadurch meist nicht, die Anzahl der möglichen Sicherheitslücken aber sehr wohl.

Neben der Sicherheit ist die immer größer werdende Datenmenge gleichzeitig ein Fluch und ein Segen. Die CeBIT in Hannover hatte das Thema bereits im Jahr 2016 aufgegriffen. (www.cebit.de/de/news-trends/news/die-7-wichtigsten-big-data-trends-1079) In der Praxis sieht Fickinger die Aufgabe, die verschiedenen Systeme besser miteinander zu verzahnen. Bei seinem Arbeitgeber soll das Lagersystem modernisiert werden. In diesem Zusammenhang müssen Prozesse genau analysiert werden: Wo fallen Daten an? Wie kann man diese effektiv weiterverarbeiten? „Die Branche Hafen ist zäh“, so seine Aussage. „Dennoch können wir vieles in Zukunft automatisieren. Hierzu testen wir momentan Datenerfassungsterminals an Staplern und Stackern.“ Dies ist ein Weg in die richtige Richtung, um am richtigen Ort zur richtigen Zeit die notwendigen Daten zur Verfügung zu haben. Denn er steigert die Effizienz und reduziert die Fehlerquote.

Als ich mit unserem Kunden Reiff Management und Service GmbH aus Reutlingen über den Arbeitsplatz der Zukunft sprach, wurde zugegeben, dass damals bereits die Umstellung von einem PC, auf dem alles lokal installiert ist, zu einem Thin Client, der praktisch keine lokalen Daten abspeichert und nur mit dem virtuellen Arbeitsplatz im Rechenzentrum verbunden ist, ein mulmiges Gefühl hervorgerufen hat. Doch Jochen Siebert von der Firma Reiff bestätigt, dass in heutiger Zeit Netze, Switche, Virtualisierungen und Speichersysteme sehr zuverlässig ihre Arbeit verrichten und kritische Systeme in der Regel redundant ausgelegt sind. Ein großer Vorteil der heutigen Lösung besteht darin, so Siebert, dass „die Verwaltung der Geräte sehr einfach ist“. Er meint damit, dass mit wenigen Mausklicks hunderte von neuen Geräten in der Management-Umgebung hinzugefügt werden können und dass diese bereits wenige Minuten später vollständig betriebsbereit sind. Als Aufgabe für den Arbeitsplatz der Zukunft sieht er die einfache Vernetzung von verschiedenen Geräten. Apple hat so etwas schon vorgemacht: Wenn man ein Foto mit dem iPhone knipst, kann man das Bild auch auf seinem iPad anschauen. Der große Nachteil hierin ist, dass das Apple-System proprietär ist, dass nur Apple mit Apple spricht. Das schlägt sich zweifelsohne auch im Anschaffungspreis dieser Geräte nieder.

Um den Gedanken weiterzudenken, sollten alle Geräte miteinander verbunden werden können, egal ob es sich um ein Windows-Betriebssystem handelt, ein Linux, ein Android-Smartphone, ein IP-Telefon oder was auch immer der Mitarbeiter zur Verrichtung seiner Tätigkeit gerne verwenden möchte. Bei genauerer Betrachtung hat doch jedes System so seine Tücken. Bei dieser Grafikkarte muss ich diesen Treiber installieren, und jene Software läuft nur ab der und der Version. Es ist ein wildes Durcheinander aus Abhängigkeiten und Best Practises von Betriebssystemen und Anwendungssoftware. Und dazu käme noch eine einheitlich miteinander funktionierende Protokollversion. Über die Frage, wo denn letztendlich die Einstellungen, Anwendungen und Daten gespeichert sind, egal ob Thin Client, Server, Smartphone etc., will sich weder der Admin noch der Anwender den Kopf zerbrechen – es muss einfach funktionieren. Eine große Aufgabe, die der IT hier noch bevorsteht.

Neben den Eingabegeräten, Daten und Programmen sollte man die sogenannte Work-Life-Balance nicht außen vor lassen. Wenn dieses Verhältnis nicht stimmt, so zeigen Studien (www.asanger.de/hof-boedldorf/Stress-Burnout_Vortrag.pdf), können Krankheiten wie Burnout oder Tinnitus entstehen.

So denkt auch Manuela Fischer-Görth der Sana Kliniken AG. „Schon heute versuchen Firmen, die modern sind, Privatleben und Arbeit besser miteinander vereinbar zu machen.“ Wenn man sich den deutschen Firmensitz von Google in Hamburg (www.businessinsider.de/spielhalle-fitnessstudio-und-buero-golfplatz-so-arbeiten-die-mitarbeiter-in-der-google-deutschlandzentrale-galerie-2018-4?op=1) anschaut, ist jedem klar, was damit gemeint ist. Fischer-Görth führt den Gedanken fort: „Die Arbeit wird in Zukunft mobiler und flexibler, auch zeitlich.“ Die Frage wird also nicht mehr sein, wie viele Stunden und Minuten man auf der Stempeluhr stehen hat, sondern ob und in welcher Qualität man seine Arbeit erledigt hat. Und dies kann, je nach Tätigkeitsfeld, unter Umständen von überall erfolgen. „Acht Stunden sitzen wird es in der Form nicht mehr geben“, so Fischer-Görth weiter. Man stelle sich vor, man geht bei schönem Wetter joggen und hört die E-Mails mit dem Headset ab. Für den Fall, dass ein wichtiger Anruf kommt, trägt man vielleicht ein Fitnessband am Oberarm, in dem ein Bildschirm, eine Kamera und ein Mikrofon integriert ist. Vorausgesetzt, die hierzu notwendigen Netze sind praktisch überall vorhanden und auch stabil. Telefonkonferenzen werden ebenfalls per Video-Chat abgehalten. Und zukünftige Systeme können sicherlich das gesprochene Wort simultan dolmetschen, sodass jeder Teilnehmer sein Gegenüber von der anderen Seite des Globus in seiner Muttersprache wahrnimmt.

Über eines sollten wir uns hierbei im Klaren sein: Arbeit wird „geistiger“ werden. Der Mensch wird mehr und mehr für kreative Ideen und Gehirnarbeit bezahlt werden.

Physische Arbeit wird zunehmend von Elektronik und Maschinen übernommen. Die Steuererklärung tippt heute niemand mehr mit dem Taschenrechner zusammen. Nur der Computer des Hochregallagers weiß, wo welche Artikel zu finden sind. Sogar Ansätze von Robotern in der Pflege gibt es ja bereits. Wir können gespannt sein, welche neuen technischen Erfindungen uns in den nächsten Jahren noch staunen lassen und welche davon wir in ein paar Jahren aus unserem Leben nicht mehr wegdenken können.

www.openthinclient.com