Sie entwickeln selbst Anwendungen für Ihr Unternehmen oder schreiben Zusatzprogramme um bestehende Standardanwendungen herum? Sie haben in der Vergangenheit eine 5250-Anwendung für Ihr Haus geschrieben, die insgesamt oder teilweise mittels eines Browsers den Anwendern zur Verfügung gestellt werden soll? Sie meinen, dass zumindest ein Teil dieser Aufgaben nur mit Entwicklungswerkzeugen möglich ist, die Sie zusätzlich zu Ihrer iSeries-Entwicklungsumgebung benötigen und deshalb Geld, viel Geld kosten? Sie täuschen sich! Mit den Werkzeugen des Websphere Studio Client (WDSC) der iSeries-Programmentwicklungsumgebung (5722-WDS) sind alle diese Aufgaben zu erledigen. Ungefähr mit dem Erscheinen von OS/400 V4R5 brachte IBM für die iSeries-Programmentwickler eine Reihe Client-basierter Werkzeuge auf den Markt, die unter dem Namen Websphere Development Tools (WDT/400) firmierten. Bestandteil dieser Werkzeugkiste waren einige Werkzeuge für iSeries-Programmierer: Code/400 sollte PDM, SDA, RLU ersetzen; Visual Age RPG sollte RPG-Programmierer in die Lage versetzen, Client-Programme unter Windows zu erstellen. Ein erstes Webfacing Tool diente dazu, 5250-Anwendungen für ein Browser-Interface zu aktivieren, Visual Age for Java diente dazu, Java-Client-Programme zu erstellen, und Websphere Studio wandte sich an die Web-Programmierer. Alle diese Tools hatten eigene Oberflächen mit eigenen Bedienphilosophien. Die heterogene Bedienung der Werkzeuge einerseits, die zum Teil schlampige Programmierung dieser Tools andererseits und außerdem die kaum existente Vermarktung durch bewundernswert uninformierte „Vertriebler“ führten dazu, dass diese Tools weitgehend unbemerkt blieben.

Etwa ab OS/400 V5R1 wählte man bei IBM einen integrativen Ansatz, um moderne Anwendungsentwicklungswerkzeuge für iSeries-Programmierer anzubieten. Alle zukünftig einzusetzenden Werkzeuge sollten aus einer einheitlichen Umgebung aufgerufen werden können. Mit der Eclipse Workbench fand und nutzte man eine integrative Umgebung, in die dann alle einzelnen Werkzeuge als Plug-Ins hineingehängt wurden. Die heute aktuelle Version 5.1.2 wird seit diesem Sommer ausgeliefert und ist eine wahre Werkzeugfundgrube für den iSeries-Programmierer.

Die Menge der zur Verfügung gestellten Werkzeuge ist auf den ersten Blick überwältigend, so dass ich Ihnen in diesem Artikel einige dieser Tools und ihren Einsatzzweck darstellen möchte.

Remote System Explorer – das Super-PDM

Der Remote System Explorer (RSE) ist für iSeries-Programmierer eine PDM-ähnliche Funktion, die ihn all das machen lässt, was er früher mit PDM, SDA etc. erledigt hat. Nur mit einem Unterschied: Die in RSE integrierten Werkzeuge sind entwicklungstechnisch und ergonomisch auf der Höhe der Zeit.

Programme editieren Sie mit dem LPEX-Editor – einem Editor, der Sie SEU schnell vergessen lässt. Waren Sie es nicht auch leid, dass SEU nur eine Arbeitsebene und eine Kopierebene öffnen konnte? Im LPEX-Editor können Sie n-Ebenen öffnen, alle Ebenen sind vollständig bearbeitungsfähig. Syntaxprüfungen und kontextsensitive Hilfefunktionen sind selbstverständlich. Um ein Programm umzuwandeln, brauchen Sie nicht mehr den Editor zu verlassen.

5250-Bildschirme erstellen Sie im grafischen Umfeld objektorientiert mit dem Code Designer per „Drag and Drop“. Das gleiche gilt für SCS- und IPDS-Listen.

Kompilationsprotokolle sind interaktiv: Sie klicken mit der Maus auf eine Fehlermeldung und der Cursor steht im LPEX-Editor dort, wo die fehlererzeugende Anweisung steht.
Weiterhin haben Sie einen direkten Zugriff auf Ihre Jobumgebung: Bibliotheksliste, aktive Jobs etc. Sie debuggen interaktive und Stapelprogramme direkt usw.

iSeries-Projekte – Anwendungen offline entwickeln

iSeries-Projekte ermöglichen Ihnen in etwa das, was RSE auch kann. Mit einem Unterschied: Arbeiteten Sie mit RSE online, quasi direkt auf Ihrer iSeries, so findet die Arbeit innerhalb eines iSeries-Projekts offline statt.

Sie editieren Programme, Bildschirm- und Druckdateien, die Sie in den Arbeitsbereich des WDSCs importiert haben – ohne direkte Verbindung zu einer iSeries. Es werden beim Import der entsprechenden Programmquellen jedoch nicht nur die Quellendateien in den Arbeitsbereich übernommen, sondern auch die Merkmale der in Ihren Programmen angesprochenen Objekte.
Dies ermöglicht eine weitgehende Prüfung der Programme bis auf die Feldebene herunter. Eine schlussendliche Kompilation der Programme ist dann erst nach einem Export der Quelldaten auf eine iSeries möglich.

Die Daten-Perspektive – mit Datenbanken arbeiten

Die so genannte Daten-Perspektive ermöglicht eine Arbeit mit Datenbankobjekten, die via SQL Skripte erstellt, die geändert und gelöscht werden können. Darüber hinaus können Datenzugriffsbefehle mit einem mächtigen SQL-Wizzard erstellt werden, die dann als SQL-Skripte abgelegt werden können.

Erzeugte SQL-Zugriffe dienen dann möglicherweise als Basis um SQL Stored Procedures und JAVA-Beans zu generieren, die als gekapselte Zugriffsmodule in entsprechende Programme integriert werden können. Last but not least lässt sich natürlich auch XML generieren.

Dabei wendet sich diese Umgebung nicht ausschließlich an den Programmierer im Umfeld der iSeries DB2, sondern es werden alle DB2s der unterschiedlichen Systeme unterstützt sowie fremde Datenbanksysteme der Firmen Microsoft, Symantec, Oracle und außerdem MySQL sowie die Systeme einiger weniger verbreiteter Hersteller.

Webfacing – 5250-Anwendungen aus dem Browser aufrufen

Webfacing ist ein Werkzeug, mit dem Sie 5250-Anwendungen aus einem Browser heraus aufrufen können. Webfacing basiert auf der Analyse von Bildschirmdateiquellen. Nach erfolgter Analyse werden Java Server Pages, Servlets und Beans generiert, die die Verbindung zum so genannten Webfacing-Server des OS/400 herstellen. Der Webfacing Server ist ein Standard-Dienst der iSeries TCP/IP-Implementation.

Die mit Webfacing generierten Objekte müssen dann auf einem Application Server publiziert und installiert werden. IBM stellt hierfür im Rahmen der OS/400 Software-Subscription ab V5R3 den Websphere Application (WAS) Server Express für iSeries V5 zur Verfügung.

Sie haben noch kein V5R3? Sind Sie im Besitz von OS/400 V5R1 oder V5R2 und einer gültigen Software-Subscription, so ordern Sie einfach V5R3. WAS V5 ist sowohl unter OS/400 V5R1 als auch unter V5R2 lauffähig.

Web-Projekte – Webanwendungen erstellen ohne JAVA-Programmierung

Web-Projekte sind eine Anwendungsentwicklung, um neue webfähige Anwendungen zu entwickeln. Dabei geht der Entwicklungsprozess von der Erstellung des Dialogs mit einem grafischen, objektorientierten HTML-Editor – dem Page-Designer – aus.

Die Dialogelemente des erstellten Formulars (Felder, Verknüpfungen, Tabellen etc.) werden dann mittels so genannter Interaktionen mit Server-Funktionen verbunden. Server-Funktionen können wahrgenommen werden: durch selbst erstellte RPG-, Cobol, C-, CL-Programme, durch selbst erstellte oder mittels WDSC generierte SQL Stored Procedures und Java Beans.

Interaktionen sind dann die zwischen Dialog (JSP) und Serverfunktion vermittelnden Servlets. Keine Angst, Sie müssen nicht Java-Programmierer sein, um dieses Tool bedienen und verstehen zu können. Java Kenntnisse sind keine zwingende Voraussetzung.

Fazit

Die oben dargestellten Werkzeuge machen nur eine kleine Auswahl aller Funktionen des WDSC 5.1.2 aus und sind für Sie als „Appetithappen“ gedacht, sich mit diesem Werkzeug zu befassen. Sagen Sie nicht, Sie hätten nicht gewusst, dass eine derartige Werkzeugsammlung für Sie bereit steht. Es gibt viel zu tun, packen Sie es an.

Fachautor: Klaus-Peter Luttkus