In Echtzeit logistische Prozesse steuern und kontrollieren – der digitale Leitstand in der Distribution macht das möglich, wappnet die Brau- und Getränkebranche für die Zukunft und verschafft den entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Oans, zwoa, g’suffa: In München findet alle Jahre wieder das Oktoberfest statt. Mit Bierpreisen um die elf Euro ist die Wiesn vor allem eines – ein teurer Spaß. Trotzdem sind die Tische in den Zelten gut besetzt, das Bier fließt in Strömen: jedes Jahr über sieben Millionen Liter. Die Brauereien und Getränkezulieferer performen also ganz gut. Doch wie sieht es bei den Brauhäusern hinter den Kulissen aus? Wie steuern diese ihre komplexen logistischen Prozesse? Sind digitale Systeme, die einen reibungsfreien Ablauf gewährleisten und maximale Kontrolle bieten, bereits im Alltag der Brauereien gegenwärtig? Die Antwort ist ernüchternd, denn zur heutigen Brauwelt gehören zwar Computer, mit denen unter anderem automatisierte Qualitätskontrollen im Getränketank durchgeführt werden, von einer durchgehend vernetzten IT-Infrastruktur kann jedoch nicht die Rede sein.

Eine Cloud, die Software-as-a-Service (SaaS) bereitstellt und damit Abläufe in der Logistik digitalisiert und optimiert – das ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern heute schon Wirklichkeit. Die Getränkeindustrie kann davon profitieren, denn ihre bisherigen Services sind kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Möchten die Einzelhändler weiterhin am Markt bestehen, müssen sie den digitalen Wandel in Angriff nehmen. Der digitale Leitstand für logistische Prozesse in der Distribution ermöglicht, alle Partner entlang der Transportkette in Echtzeit zu verknüpfen, eine transparente Lieferkette zur besseren Zusammenarbeit zu schaffen und den Verantwortlichen maximale Steuerung zu bieten. Die optimierte Lieferkette hilft den Brauereien, ihren Kundenservice deutlich zu erhöhen, Kosten zu reduzieren und damit konkurrenzfähig zu bleiben.

Basis Leitstand

Die Grundlage für den digitalen Logistikleitstand ist die „Kommunikationsplattform“, die als zentrale Datendrehscheibe die SAP-/ERP-Systeme mit den jeweiligen Logistikdienstleistern und Kunden verbindet. Alle Daten, die zwischen den Getränkeproduzenten, Logistikdienstleistern und Kunden ausgetauscht werden, laufen über diese Plattform. Da der Leitstand die gesamte Transportkette – von der Bestellung bis zur Auslieferung – in Echtzeit sichtbar machen kann, können die Brauer auf prozesskritische Abläufe schnell reagieren und ihre Dienstleister und Kunden umfassend steuern.

Die ausgetauschten Daten – Transportaufträge, Statusinformationen, Ab-lieferbelege und Alerts – werden zusätzlich in der zentralen Datenbank in der Cloud gespeichert und stehen über ein entsprechendes Berechtigungskonzept der Zentrale (zum Beispiel der zentralen Logistik), dem Logistikdienstleister oder dem Kunden zur Verfügung. Mit dem umfangreichen Rechtesystem kann exakt gesteuert werden, welcher Anwender welche Module nutzen kann und welche Informationen der jeweilige Anwender sehen darf.

Quelle: Wavebreakmedia

Track&Trace

Die über die zentrale Datenbank ausgetauschten Transport- und Statusinformationen dienen als Grundlage für den Aufbau eines einheitlichen Track&Trace-Systems. Dieses System liefert die Status zu allen über die Plattform abgewickelten Transporten. Die umfangreichen Suchmöglichkeiten und Filterfunktionalitäten können zudem für sogenannte Ad-hoc-Abfragen verwendet werden. Kurzfristig auftauchende Fragestellungen wie „Zeige alle Sendungen an den Kunden X aus der vorangegangenen Woche, für die kein ‚Zugestellt‘-Status im System vorhanden ist“ oder „Zeige mir alle Sendungen, die einen ‚Beschädigt‘-Status in den vergangenen vier Wochen hatten“ können über die Suchfunktionalitäten abgefragt und ausgewertet werden. Die Filterfunktion bietet zudem die Möglichkeit, regelmäßig auftauchende Anfragen wie „Zeige alle ‚Beschädigt‘-Sendungen der vergangenen zwei Tage“ direkt abzufragen und diese auf einer Startseite anzuzeigen. Somit wird ein vorausschauendes Abweichungsmanagement unterstützt. Der Leitstand informiert die zuständigen Personen aktiv und direkt. Problembehaftete Sendungen werden direkt aufgedeckt.

Aktiver Leitstand mit Eventmanagement

Mit dem Eventmanagement wird die Steuerung der Distributionslogistik auf ein neues Level gehoben. Mit dem Fokus auf Fehler und Abweichungen oder auf relevante Messpunkte werden Prozesse stabilisiert und Handlungspotenziale frühzeitig erkannt. Für Transporte können zum Beispiel fehlende „Proof of Delivery“-(POD-)Meldungen reportet werden. Über die eingetretenen Events wird per E-Mail an den festgelegten Personenkreis informiert, wobei hier auch eine hierarchische Informationsverteilung möglich ist. Diese „ausnahmebasierte“ Informationsverteilung lässt die Verantwortlichen in Echtzeit auf Abweichungen im Prozess reagieren. Damit können auch fehlende POD-Belege für die Gelangensbestätigung gem. § 17a Abs. 2 Nr. 2 UStDV für innereuropäische Transporte elektronisch über die Kommunikationsplattform gesteuert werden.

Der digitale Leitstand bietet Übersicht. Quelle: Euro-Log AG

Reporting

Der Leitstand kann durch ein umfangreiches Dienstleister-Reporting, das die Bewertung wesentlicher KPIs erlaubt, ergänzt werden. Dazu zählen Auswertungen, die eine neutrale Bewertung der einzelnen Dienstleister hinsichtlich ihrer Qualität, Verfügbarkeit, Verlässlichkeit und auch ihres Preises ermöglichen. Die Berichte zeigen alle relevanten Transportdaten wie Gewicht, Volumen, Anzahl der Packstücke, Anzahl der Paletten und angefallene Transportkosten. Sie sind in Echtzeit auf Knopfdruck abrufbar. Die Einrichtung regelmäßiger Berichtabonnements an einen festen Verteilerkreis ist ebenfalls möglich. Damit sind alle Beteiligten auf dem gleichen Stand.

Einfache IT-Integration des Leitstands

Der Logistikleitstand integriert die vielfältigen eigenen IT-Welten und die Transportmanagementsysteme der Dienstleister. Die verschiedenartigen IT-Systeme – wie ERP- und WMS-System der Unternehmensbereiche – können einfach eingebunden werden. Die Komplexität der IT-Welt wird dadurch deutlich reduziert. Der direkte Anschluss aller Partner an die zentrale Datenbank des Leitstands sorgt für einen kontinuierlichen Datenfluss in Echtzeit und ist das Tor zu einer vollständigen Digitalisierung der Transportkette, die dadurch auf den neuesten Stand gebracht wird.

Wachsender Leitstand

Die Anforderungen an den Leitstand können sich im Laufe der Zeit verändern. Flexibel zu ergänzende Module zur Optimierung weiterer Funktionsbereiche für die Transportketten sind die Lösung.

Darunter fällt zum Beispiel das Ladungsträgermanagement. Es überwacht und kontrolliert die Bewegungen von Paletten, Kisten und Fässern. Die Beteiligten wissen zu jeder Zeit, wo sich die Lademittel befinden. Die Fragen „Wo befinden sich meine Ladungsträger?“ und „Wie bekomme ich diese zurück?“ stellen sich Getränkehersteller Tag für Tag. Ein transparenter Lademittelkreislauf für die Kundenbelieferung und eine einheitliche Abbildung schaffen Abhilfe.

Der Vorteil des Moduls liegt in der flexiblen Integration bestehender interner und externer Portale und Anwendungen. Das firmeneigene SAP-System und die Portale einzelner Kunden können angebunden werden, sodass das Ladungsträgermanagement übergreifend und einheitlich über nur ein System erfolgt.

Die Verantwortlichen müssen nichts mehr tun, die Steuerung des Ladungsträgernetzwerks erfolgt automatisiert. Das Eventmanagement benachrichtigt über Abweichungen, wie beispielsweise über abweichende Mengen im Eingang beim Kunden oder über das Verletzen von Bestandsgrenzen. Manuelle Aufwände, zum Beispiel für die Dateneingabe, können dadurch deutlich reduziert werden, und Kosten können eingespart werden. Der Schwund an Lademittel und der Zukauf neuer können nachhaltig gesenkt werden.

Mobile Apps sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Mit deren Hilfe lassen sich komplexe Abläufe des Leitstands einfach handhaben, ganz ohne aufwändige Schulungen. Die Transportdienstleister und die Fahrer können ihre Abläufe vereinfachen und beschleunigen, indem sie beispielsweise eine App verwenden. Denn der papierlosen Bearbeitung von Abholung, Transporten und Zustellung gehört die Zukunft: Barcodescannung, Unterschriftenerfassung und Fotodokumentation von Beschädigungen gehen den Dienstleistern mit der App leicht von der Hand.

Mit der GPS-Ortung lässt sich außerdem jederzeit der Standort der Fahrzeuge feststellen. Die Lieferkette und die geplante Ankunftszeit (ETA) können somit in Echtzeit überwacht werden.

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, den Leitstand mit einem Modul zur Abrechnung der erbrachten logistischen Leistung auszubauen. Das Modul berechnet die Preise pro Transportauftrag. Es kann auch für weitere Prozessschritte verwendet werden. Die Grundlage hierfür bildet die zentrale und für alle Partner nachvollziehbare Abbildung der gemeinsam vereinbarten und freigegebenen Tarife. Hierfür stellt die Lösung eine umfangreiche Maske zur Tarifpflege zur Verfügung, die je nach Wunsch vom Getränkeproduzenten, Kunden oder den Logistikdienstleistern gepflegt werden kann.

Alle über den Leitstand ausgetauschten Transportaufträge können auf Basis der POD Message des Logistikdienstleisters automatisch gemäß der aktuellen Tarife berechnet und angezeigt sowie über die Weboberfläche partnerschaftlich mit den Logistikdienstleistern abgestimmt werden. Das innovative „Clearing-Konzept“ ermöglicht den Parteien, die Kalkulation zu ändern. Eine Änderung kann aufgrund von Fehlern oder nicht planbaren Zusatzkosten, wie zweite Anlieferungen, erfolgen.

Fazit

Der logistische Leitstand für die Distribution ist die Antwort auf die heutigen Anforderungen des digitalen Wandels.

Er gewährleistet die absolute Kontrolle und Steuerung der gesamten Prozesse entlang langer Lieferketten. Zusätzlich ist er je nach Kundenwunsch flexibel ausbaubar. Die vorgestellten Lösungen für die Brau- und Getränkebranche digitalisieren die Lieferkette, optimieren sie dadurch und verschaffen den Unternehmen durch Kostensenkung und Zeitersparnis einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Durch die Konzentration des Leitstands auf Ausnahmen und Abweichungen in prozesskritischen Logistikabläufen können die Verantwortlichen frühzeitig eingreifen und vorausschauend steuern. Dank des Leitstands kann das jährlich stattfindende Oktoberfest für die Brau- und Getränkebranche richtig Fahrt aufnehmen. Die Brauer können sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren: das Bierbrauen.

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