Wolfgang M. Roser, Inhaber und Geschäftsführer der Wolfgang M. Roser Software-Support GmbH: „Softwaremodernisierung ist Vertrauenssache“ Quelle: WMR

Auch wenn Unternehmen beim Thema „Software-Altlasten“ zögern, weil sie befürchten, die falschen Entscheidungen zu treffen – früher oder später müssen sie sich der Herausforderung „Softwaremodernisierung“ stellen, um nicht in den hintersten Reihen zu landen und frühere Wettbewerbsvorteile zu verspielen. Wolfgang M. Roser, Inhaber und Geschäftsführer der Wolfgang M. Roser Software-Support GmbH, rät seinen Kunden im Interview mit dem Midrange Magazin (MM): „Behalten Sie das Bewährte und setzen Sie Ressourcen dort ein, wo sie auch einen tatsächlichen Mehrwert erzielen.“

MM: Marktforscher und viele Fachmagazine stimmen unisono das Hohelied der „disruptiven Geschäftsmodelle“ an, bei denen kaum mehr ein Stein auf dem anderen bleibt. Dazu muss bestehende Software im großen Stil ausgemustert werden. Warum sollten Unternehmen sich vor diesem Hintergrund noch um ihre traditionelle „AS/400-Umgebung“ kümmern?

Roser: Weil sehr viel firmeninternes Wissen und bewährte Funktionen darin stecken – und der tägliche Betrieb davon abhängt. Bevor man sich also in riskante und teure Ablösemanöver stürzt und zurück an den Start geht, sollte man besser mit dem weitermachen, das schon da ist und sich im Laufe der Zeit gut bewährt hat. Nur weil eine Software-Landschaft alt ist, ist sie nicht unbedingt schlecht. Das Gegenteil trifft eher zu: Die über Jahre hinweg eingesetzten und bekannten Lösungen sind an die Anforderungen, Workflows und Regeln des Unternehmens bestens angepasst – sie sind mitgewachsen, ineinander verzahnt, kennen die erprobten Prozesse und beinhalten geballtes Know-how. Sehr oft weist die traditionelle „AS/400-Umgebung“ Alleinstellungsmerkmale auf, die in keiner marktüblichen Standardlösung zu finden oder einfach nachzubauen sind – also deutliche Wettbewerbsvorteile, die man keinesfalls unbedacht ausmustern sollte.

MM: Warum sehen Sie in der Softwaremodernisierung einen validen Weg, um die Anwender mit der bestehenden IT-Infrastruktur zufrieden zu stellen?

Roser: Allzu radikale und übereilt durchgeführte Änderungen an der gewohnten Software oder eine komplette Neueinführung sorgen oft für einen gewissen Unmut in der Belegschaft. Die Akzeptanz der neuen Software sinkt womöglich auf ein Minimum, und die Schulungskosten explodieren. Eine behutsame und gut geplante Softwaremodernisierung wirkt dem entgegen, weil Anwender weiterhin mit „ihrer“ Anwendung arbeiten und zusätzlich von den Erleichterungen im täglichen Arbeitsablauf profitieren können – ganz nach dem Motto: Mit weniger mehr erreichen. Im Mittelpunkt der Modernisierung steht für mich immer der zusätzliche Nutzen für die Anwender. Historisch gewachsen bedeutet in vielen Fällen oft auch, dass die Softwareanwendung aufgrund von zahlreichen Erweiterungen nicht mehr ganz so sauber, anwenderfreundlich und aufgeräumt ist. Das gilt insbesondere für Eingabemasken oder Prozesse, die nicht mehr so optimal sind, wie bei Einführung des Systems. „Aufräumen“ ist eine wichtige Vorarbeit, um zukünftig intuitiv bedienbare, stabile und wartungsfreundliche Anwendungen zu haben. Im Idealfall erhält man eine (wieder) gut dokumentierte Softwareanwendung, die intuitiv zu bedienen ist, überschaubare Wartungskosten hat und zeitgemäßen Anforderungen entspricht.

MM: Wie sollten Unternehmen bei Projekten im Bereich der Softwaremodernisierung vorgehen?

Roser: Geplant und überlegt. Die Möglichkeiten der Modernisierung sind sehr vielfältig und zahlreiche individuelle Faktoren wie beispielsweise vorhandene IT-Strukturen, Prozesse, Unternehmenskultur, etc. spielen eine maßgebliche Rolle. Der Ist-Zustand des Alt-Systems entscheidet grundsätzlich über die Art und den Grad der Modernisierung. Eine umfangreiche Analyse sowie eine Bestandsaufnahme bilden die Basis für die Entscheidung, welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt sinnvoll sind und welche Methoden zum Einsatz kommen. Wenn die Funktionalität oder die „Substanz“ im Wesentlichen passt, kann man mit sanfter Modernisierung der gewachsenen Lösung in relativ kurzer Zeit ein neues, modernes Dasein verschaffen. Ziel ist es, Anwendungen, die vor 15 bis 20 Jahren eingeführt wurden, an den heutigen Stand der Technik heranzuführen, sowohl fachliches, als auch im System angesammeltes Know-how – das Vermächtnis – zu bewahren und den langfristigen Unternehmenserfolg ohne unkalkulierbare Risiken zu sichern.

MM: Wer kann den Unternehmen helfen, Software, die vor 15 oder mehr Jahren geschrieben wurde, ein zeitgemäßes Aussehen und eine bessere Anpassung an die Abläufe im Unternehmen zu verpassen?

Roser: Dabei ist ein externer IT-Dienstleister mit dem nötigen Know-how, jahrelanger Erfahrung und dem richtigen Werkzeug aus meiner Sicht unverzichtbar. Softwaremodernisierung ist kein Projekt, das man zwischendurch reinquetscht oder mal so nebenbei von der internen IT-Abteilung erledigen lässt. Oftmals müssen hauseigene IT-Fachkräfte ohnehin den Geschäftsbetrieb mit den bestehenden Anwendungen aufrechterhalten, neue Applikationen entwickeln oder schlicht „nur“ die alltäglichen Aufgaben erfüllen. Die Modernisierung vertrauter und geschäftskritischer Systeme bleibt dann oft auf der Strecke, und ich glaube, dass es immer schwieriger wird, je länger man zuwartet. Es werden sich womöglich auch immer weniger Entwickler finden, die mit Software, die vor 15 oder mehr Jahren geschrieben wurde, umzugehen wissen. Es besteht also dringender Handlungsbedarf, um bewährte Kernsysteme zeitnah auf eine zukunftsfähige, kostenfreundliche und solide Basis zu stellen, damit man die Nase weiterhin vorne halten kann und nicht zittern muss, wenn man an die Zukunft denkt.

MM: Was sollte ein IT-Dienstleister „mitbringen“, damit er die anstehenden Modernisierungsaktionen beim Anwenderunternehmen bestmöglich unterstützen kann?

Roser: Softwaremodernisierung ist Vertrauenssache. Es geht um ein heikles Thema, da der laufende Betrieb und damit der Geschäftserfolg eines Unternehmens betroffen sind. Neben viel Programmier- und Projekterfahrung braucht es ebenso das richtige Werkzeug um Unternehmen in anspruchsvollen Modernisierungsprozessen bestmöglich unterstützen zu können. In unserem Falle heißt das Werkzeug NAB/400 – Native Application Builder und wir können damit eine kostengünstige Alternative zu teuren Neuprogrammierungen anbieten. Viele Unternehmen, die zu uns kommen, erhalten beispielsweise keinen Support mehr vom ursprünglichen Hersteller, anstehende Änderungen oder Erweiterungen bereiten ihnen Kopfzerbrechen, Funktionalitäten stoßen an Grenzen, RPG-Programmierer werden rar, die Dokumentation ist veraltet oder die Kosten für laufende Wartung und Pflege sind ungemein hoch. Wir haben tagtäglich und seit vielen Jahren mit Aufgabenstellungen wie diesen und deren Lösungen zu tun. Kunden profitieren von unserem gesammelten Erfahrungsschatz, wenn wir sie bei anstehenden Modernisierungsaktionen beraten und unterstützen.

MM: Wie lassen sich neue Anforderungen, wie zum Beispiel E-Commerce-Lösungen oder der Mobilzugriff, an die bestehenden Kernsysteme – wie ERP-Systeme – anbauen?

Roser: Das kommt grundsätzlich darauf an, welches System vorhanden ist. Es gibt ausreichend Anknüpfungspunkte zu Technologien, die erst in den letzten Jahren entstanden sind. Gerade die Kombination schafft Effizienz und neue Ansätze bei der Modernisierung. Die Verwendung von mobilen Endgeräten und Apps mit AS/400-Zugriff sind längst nicht mehr neu. Einer unserer Kunden nutzt beispielsweise iPads, um die benötigte Zeit von Arbeitsgängen in der Textilproduktion zu messen (Kragen nähen, Knöpfe annähen, etc.). Die über das iPad gesammelten Daten werden direkt in sein Kalkulationsprogramm auf der AS/400 geschickt. Anhand dieser Daten werden die tatsächlichen Produktionskosten kalkuliert und überprüft. Ein weiteres Beispiel aus der Praxis ist ein großer Versandhändler, der seine Waren über 17 verschiedene Kanäle verkauft. Die neu angebundene Anwendung greift die Daten von der AS/400 ab und stellt dem Sachbearbeiter grafisch dar, ob ein neues Produkt alle Anforderungen für diese 17 Kanäle erfüllt, damit der Verkauf starten kann.

MM: Wie sehen Sie die Rolle der IBM i in der Zukunft?

Roser: IBM i ist nach wie vor eine sichere, zuverlässige und performante Plattform. Es gilt, diese Vorteile in unsere Zeit mitzunehmen und mit aktuellen Möglichkeiten und zeitgemäßen Lösungen zu verbinden. Wir gehen den Weg mit dem Kunden gemeinsam und – je nach Ausgangslage und „Substanz“ – auch Schritt für Schritt, damit das „Herz“ des Unternehmens auch die nächsten 20 Jahre zuverlässig schlägt und auch bei Unwegsamkeiten nicht aus dem Takt kommt.