Digitalisierung in den Unternehmen, Unterstützung von Industrie 4.0-Konzepten, Mobil-zugriff auf die Unternehmenssoftware aber auch der Bezug von Lösungen aus der Cloud – für all diese Felder muss das ERP-System der Zukunft ausgelegt sein. Im Interview mit dem Midrange Magazin (MM) erläutern Thomas Feike, Bereichsleiter Vertrieb+Marketing bei der VLEXsoftware+consulting gmbh, und Alice von Korff, Sales Representative bei Canias ERP, was ein „ERP2020-System“ mitbringen muss.

MM: Digitalisierung der Unternehmen – so lautet das Schlagwort für die anstehende Transformation: Wie muss ein ERP-System gebaut sein, um hier keine „Bremse“ darzustellen?

Von Korff: Dies hängt nach meiner Einschätzung natürlich von mehreren Faktoren ab. Wichtig ist, dass die verschiedenen Systembereiche ineinander verzahnt sind – Stichwort Integration – und die Dateneingabe von z.B. Stammdaten nicht an mehreren, verschiedenen Stellen notwendig wird: an einer Stelle angelegt, sollten sich die Informationen durch das komplette System ziehen. Des Weiteren ist grundsätzlich wichtig, dass das System flexibel ist einstellbar ist und somit die Möglichkeit bietet, dass Unternehmen auf verändernde Bedingungen reagieren können. Weiterhin ist ein Dokumentenmanagementsystem unabdingbar, um auch externe Belege den Vorgängen im ERP-System zuordnen und verwalten zu können. Dies ist im Modulumfang von caniasERP enthalten.

Alice von Korff, Sales Representative bei Canias ERP: „Wichtig ist, dass die verschiedenen Systembereiche ineinander verzahnt sind und die Dateneingabe etwa von Stammdaten nicht an mehreren, verschiedenen Stellen notwendig wird.“ Quelle: IAS

Feike: Mit der Digitalisierung des Mittelstandes wird sich auch bei ERP-Systemen ein grundlegender architektonischer Wandel vollziehen müssen. Wir haben es nicht nur mit mehr Teilnehmern in der Wertschöpfungskette zu tun, auch auf funktionaler Ebene wachsen die Anforderungen, was einen Best-of-Breed-Ansatz und das Thema Integrationsfähigkeit wieder stärker in den Fokus stellt. Dieser Prozess hat bereits enorme Geschwindigkeit aufgenommen. Wohl dem ERP-Anbieter, der technologisch in der Lage ist, diese architektonischen Anforderungen schon heute abbilden zu können. Wir haben hier als ERP-Softwarehersteller mit unserer offenen und plattformunabhängigen Web- und Java-Technologie schon sehr frühzeitig den Weg dafür geebnet und können dieser Entwicklung recht entspannt entgegen sehen.

MM: Industrie 4.0 bringt viel mehr Informationsobjekte mit in die Gleichung – welche Voraussetzungen muss ein ERP-System erfüllen, um die gestiegenen Datenmengen und die zusätzlichen Abläufe im Unternehmen zu beherrschen und zu unterstützen?

Feike: Nicht nur die Leistungsprofile der ERP-Systeme verändern sich – klassische ERP-Funktionen „granulieren“ und verschieben sich hin zu hochspezialisierten Apps. Dabei werden auch relationale Datenbanken durch die immensen Datenvolumen an ihre Performancegrenze stoßen – Stichwort „In-Memory“. Das ERP wird dabei als Backbone für die Datenstruktur und Prozesssicherheit stehen (müssen). Zur Beherrschung dieser Disziplinen unterstützen wir als Spezialist für Varianten-Management unsere Anwender u.a. durch ein ausgeklügeltes Regelwerk, bereichsübergreifende Automatismen und vorkonfigurierte Verfahren, um das Datenvolumen nachhaltig zu reduzieren und ein langfristig händelbares Daten- und Prozessmanagement sicherzustellen.

Von Korff: Das System muss flexibel sein und die Möglichkeit bieten, externe Systeme anzubinden. Dazu muss es über eine offene Systemarchitektur verfügen. Gerade bei Industrie 4.0 ist es wichtig im Rahmen der Automatisierung Maschinen und Anlagen anzubinden. Das ERP-System muss dafür die entsprechenden Voraussetzungen bieten, was caniasERP tut. Es gibt ein spezielles Modul, das Modul „Automation“, anhand dessen Maschinen angebunden werden können. Des Weiteren hängt die Verwaltung großer Datenmengen nicht nur vom ERP-System selber ab, sondern auch von einer leistungsfähigen Datenbank und einer optimal gestalteten Hardwareinfrastruktur.

MM: Beim Thema „Mobilzugriff auf ERP und grafische Schnittstellen“ stellt sich die Frage, welche Vorkehrungen sollte ein ERP-System heute schon mit sich bringen, um hier zukunftssicher zu sein – und: wie lässt sich der Zugriff über Mobilgeräte absichern?

Von Korff: Es sollte architektonisch so gestaltet sein, dass es schnell an neue, moderne Technologien angepasst werden kann. Hier bietet caniasERP den Vorteil, dass das System plattformunabhängig ist und somit verschiedene Betriebssysteme zum Einsatz kommen können. Das macht es auch flexibel für den mobilen Einsatz, egal ob caniasERP auf Scannern, Smartphones oder Tablets eingesetzt wird.

„Die Cloud-Nutzung im Mittelstand ist nach wie vor ein schwieriges Thema“, erklärt Thomas Feike, Bereichsleiter Vertrieb+Marketing bei der VLEXsoftware+consulting GmbH. Quelle: VLEXsoftware

Feike: Nicht nur die Informations- und Nutzungsgewohnheiten ändern sich, auch die Geschäftsmodelle der Unternehmen nehmen teilweise völlig neue Perspektiven ein. CAD war gestern, Augmented und Virtual Reality ist heute und morgen. Das beginnt bei der klassischen Produktkonfiguration entsprechend des eigenen Bedarfes, geht über die umfassende Welt der Kataloge und mündet im eCommerce für B2B- und B2C-Geschäfte. Ein in das ERP-System tief integrierter Webshop als „Kunden-Komfort-System 24/7“ und zur Verschlankung eigener, interner Prozesse ist mittlerweile wachstums- und wettbewerbsentscheidend. Mit welchem Browser oder mit welchem Device agiert wird, darf dabei absolut keine Rolle mehr spielen.

MM: ERP-Software aus der Cloud oder als Software-as-a-Service gelten als moderne Bereitstellungs- und Abrechnungsmodelle, die dazu beitragen können, den ERP-Betrieb flexibler und effizienter zu gestalten. Wie wird sich das beim ERP-System der Zukunft darstellen?

Feike: Das Thema der Cloud-Nutzung im Mittelstand ist nach wie vor ein schwieriges Thema – dies hat unterschiedliche Gründe. Die hohen Prozesskosten der Inhouse-IT werden die Unternehmen jedoch immer stärker in diese Nutzungsmodelle zwingen. Vielleicht denken wir aber in Deutschland an dieser Stelle zu stark in 0 oder 1. Wir sehen das ERP-System der Zukunft hier an dieser Stelle im Bereich einer hybriden Architektur: klassische ERP Inhouse-Anwendungen kombiniert mit Web-Services, Apps oder Third-Party-Anwendungen. Das aktuelle Geschäftsmodell wird dabei zukünftig das Modell der Anwendungsnutzung im Unternehmen vorgeben – Flexibilität ist hier notwendig und das Gebot der Stunde.

Von Korff: „Die Cloud“ und SaaS ist momentan ein Trend, den auch wir eindeutig feststellen. Allerdings handelt es sich z.B. bei dem Betrieb eines ERP-System in einer „Cloud“ nicht um eine moderne Erfindung, sondern wurde von der IAS GmbH schon vor 20 Jahren angeboten. Damals bezeichnete man dies als „ASP“ also als Application Service Providing. Heutzutage werden vielen Daten in einer „Cloud“ verwaltet, aber ob sich dies im Bereich ERP etablieren wird, wage ich in Frage zu stellen. In einem ERP-System werden die sensibelsten Unternehmensdaten verwaltet wie Kunden, Lieferanten, Preise und Preislisten, Kalkulationen, Stücklisten u.v.m. Viele Unternehmen wünschen sich einen permanenten und sicheren Zugriff auf ihre Daten und haben daher ihr ERP-System im eigenen Hause installiert. Auf der anderen Seite gibt es aber auch zahlreiche Unternehmen, die eben nicht mehr den Server im eigenen Haus stehen haben möchten und sich für eine Cloud-Variante entscheiden.