Während Cloud Computing für viele noch ein Buch mit sieben Siegeln ist, ist Lawson bereits einen Schritt weiter: Nach einer Kooperation mit Amazon Web Services bietet Lawson seinen Kunden die Nutzung ihrer ERP-Lösung als External Cloud Service an. Dieter Roskoni, Director Product Marketing Lawson M3, erläutert die Hintergründe.

Thomas Seibold: Lawson hat vor kurzem eine Kooperation mit Amazon im Bereich Cloud Computing bekannt gegeben. Was waren die Gründe dafür?

Dieter Roskoni: Amazon gilt in diesem Bereich einfach als eines der führenden Unternehmen und entsprach letztlich am besten unseren Ansprüchen. Denn Amazon Web Services und hier speziell Amazon Elastic Compute Cloud (EC2) bietet für unsere Lawson External Cloud Services eine sichere und verlässliche Infrastruktur mit wirklich großer IT-Kapazität, die sich v. a. auch bereits im weltweiten Einsatz bewährt hat. Amazon.com ist das Unternehmen mit der größten E‑Commerce-Präsenz weltweit und hat auf der Grundlage seiner Anforderungen an die Infrastruktur als Rückgrat für sein eigenes Unternehmen das Cloud-Infrastruktur-Angebot über Amazon Web Services entwickelt. Seit 2006 steht diese Infrastrukturplattform Unternehmen jeglicher Größe in der Cloud zur Verfügung und bietet Skalierbarkeit in Bezug auf jedweden Bedarf. Durch die Kooperation mit Amazon können wir unseren Kunden eine weitgehend automatisierte Verwaltung ihrer Infrastruktur und ihrer IT-Aufgaben bieten, und das unabhängig vom jeweiligen Standort. Der besondere Vorteil von Amazon EC2 für den Kunden besteht darin, dass er sich nicht mehr mit den entsprechenden Hardwareanforderungen seiner Plattform auseinandersetzen und Bedarfsabschätzungen zu Kosten und Effizienz unternehmenseigener Rechenzentren abgeben muss, sondern die Rechen- und Speicherleistung an seinen aktuellen Bedarf innerhalb kürzester Zeit anpassen, d. h. konkret sowohl erhöhen als auch verringern kann. Die IT-Infrastruktur wird also nicht nach der Höchstbelastung ausgelegt und wie im Normalfall nur zu 50 bis 60 Prozent ausgelastet, sondern nach der Normbelastung, um dann beispielsweise im Weihnachtsgeschäft für November/Dezember Zusatzkapazitäten dynamisch zu nutzen. Diese Flexibilität für die Kunden, gepaart mit der großen Erfahrung von Amazon – bei vergleichsweise geringen Kosten – waren ausschlaggebend für unsere Entscheidung.

Thomas Seibold: Welche Lawson-Produkte sind bereits „Cloud-ready“?

Dieter Roskoni: Lawson-Kunden stehen seit Mai 2010 die ERP-Versionen des Lawson M3 und des S3 Enterprise Management Systems sowie die Lawson Talent Management Suite als Bundles zur Verfügung. Es handelt sich dabei um keine Light-Versionen, sondern um die ERP-Lösungen, die auch bisher On-premise eingesetzt wurden.

Des Weiteren stehen bereits ausgewählte Produkte als Virtual Appliances zur Verfügung. Virtual Appliances (VA) sind vorkonfigurierte Lösungen, die bereits die Software, eventuelle Fremdprodukte sowie ein Betriebssystem beinhalten und einfach in virtualisierte Umgebungen interner oder externer Clouds eingebunden werden können. Sie sind im Prinzip sofort startklar und müssen nicht langwierig installiert werden. Zur Zeit sind S3-basiert folgende Anwendungen verfügbar: Lawson Smart Office, die innovative Benutzeroberfläche für Lawson-Anwendungen, Lawson Enterprise Search, das Google-ähnliche Suchfunktionen sowohl zu Daten aus Lawson-Anwendungen wie auch zu Daten aus anderen Anwendungen bietet und damit eine vereinfachte Suche nach strukturierten und unstrukturierten Daten über vielfältige Systeme hinweg.

Dieter Roskoni, Director Product Marketing Lawson M3

Lawson beabsichtigt mehr dieser VAs zur Verfügung zu stellen und damit die Installationszeiten und Kosten für solche Add-on-Produkte dramatisch zu reduzieren. Bestandteil von Lawson Cloud Services ist auch die Lawson Cloud Console, mit der IT-Administratoren unkompliziert die Lawson Virtual Appliances nutzen und verwalten können. Über einen einfachen Klick auf der Lawson Cloud Console kann die virtuelle Anwendung per Drag & Drop in einer Test‑, Entwicklungs‑, Schulungs- oder Produktivumgebung sofort eingesetzt werden. Damit werden komplexe manuelle IT-Aufgaben, die zuvor Wochen oder Monate in Anspruch genommen haben, deutlich vereinfacht und automatisiert.

Thomas Seibold: Warum sollte sich auch ein Mittelständler für Cloud Computing interessieren?

Dieter Roskoni: Lawson bietet über Lawson External Cloud Services eine umfassende und voll funktionsfähige ERP-Lösung an, die sich ideal für ca. 50 bis 100 Anwender eignet. Speziell für mittelständische Unternehmen bedeutet das sozusagen „ERP leicht gemacht“ – schneller, einfacher, besser –, da sie somit ihre gesamte Unternehmenssoftware kostengünstig und flexibel nutzen können, und zwar ohne die Last von On-Premise-Anwendungen. Konkret heißt das: Mit diesem Angebot sind schnellere Implementierungen möglich, aber auch die Wartung der Softwareapplikationen und Upgrade-Projekte wird damit einfacher. Gleichzeitig entfallen für den Kunden On-Premise-Hardware-Kosten, nicht zu vergessen auch die Aufwendungen im Bereich Energie und Ressourcen aus dem IT-Verwaltungsbereich. Der Kunde kann auf virtuell unbegrenzte IT-Kapazitäten zurückgreifen. Das Sizing wird einfacher, weil sich die Skalierung am konkreten Bedarf ausrichtet und Einzelinstanzen schnell hinzugefügt oder entfernt werden können. Die sichere und flexible Infrastruktur von Amazon Elastic Compute Cloud bietet dem Kunden vielfältige Auswahlmöglichkeiten und er bezahlt stets nur für das, was er auch wirklich nutzt. Temporäre Bereiche wie Test- oder Simulationsumgebungen sowie die Off-Premise-Nutzung von Kernprozessen in ihrer kompletten Funktionalität bieten weitere Vorteile. Gerade für mittelständische Unternehmen, die auf der Suche nach einer Alternative zu traditionellen Nutzungsmodellen sind, kann Cloud Computing ein einfacher Weg vom On-Premise zum Off-Premise-Modell sein: Amazon Elastic Compute Cloud bietet Flexibilität, Erschwinglichkeit und Kapazität nach Bedarf, insbesondere wenn es z. B. gilt, hohe Transaktionsvolumina zu bewältigen oder im Falle von Fusionen und Firmenzukäufen neue Anwender in bestehende Implementierungen einzubinden.

Thomas Seibold: Welche Möglichkeiten bieten Sie Ihren Bestandskunden in Hinsicht auf die neuen Angebote?

Dieter Roskoni: Die Lawson-Anwendungen laufen auf virtuellen Servern, die Teil der Amazon-Rechenzentren sind. Teil des Cloud-Angebots von Lawson ist auch eine Application Managed Services (AMS)-Komponente. Lawson AMS stellt die Software bereit und übernimmt auch die Pflege von Anpassungen und das Handling von Drittanbieter-Komponenten als Teil der Lösung. Lawson AMS wickelt des Weiteren die Fehlerbehebung, Wartung und Administration der Applikationen ab, der Kunde erhält Zugang zu den Anwendungsumgebungen für die Konfiguration und für die Administration auf Anwendungsebene. Der Kunde nutzt die Anwendung so, wie er heute den Strom aus der Steckdose bezieht, nur mit dem Unterschied, dass dieser Strom wirklich grün oder blau oder gelb ist, denn die Anwendung kann wie im On-Premise auf den spezifischen Kunden konfiguriert und angepasst werden.

Außerdem bieten wir unseren Kunden ein großes Maß an Flexibilität durch verschiedene Preismodelle an, so z. B. durch das Lawson Flexible Subscription Pricing, welches dem Kunden die Möglichkeit der Subskription für seine Softwareanwendungen über einen bestimmten Zeitraum hinweg mit der Option ermöglicht, nach Ende der Vertragslaufzeit die Software als Perpetual-Lizenz weiterhin zu nutzen. Dadurch unterscheidet sich Lawson External Cloud Services auch von gängigen SaaS-Angeboten der Wettbewerber, bei denen der Kunde „lebenslang“ Miete für eine Software zahlt, obschon sie meist nach vier bis fünf Jahren für ihn unattraktiv ist.

Lawson GmbH, Hilden
www.lawson.com